Misteln auf Obstbäumen

Misteln – ein zunehmendes Problem für Obstbäume

Misteln waren vor wenigen Jahrzehnten an Obstbäumen kaum ein Thema. Heute haben sie sich – begünstigt durch mildere Winter, längere Trockenperioden und vernachlässigte Obstbaumpflege – stark ausgebreitet. Besonders Apfel- und Birnbäume sind betroffen. Die immergrünen Halbschmarotzer entziehen den Bäumen ganzjährig Wasser und Nährstoffe. Dadurch schwächen sie die Bäume zunehmend und können deren Absterben beschleunigen. Viele Regionen in Oberfranken, darunter der Landkreis Bayreuth, beobachten eine deutliche Zunahme des Mistelbefalls.

Welches Problem verursachen Misteln auf Obstbäumen?

Misteln beziehen einen großen Teil ihres Bedarfs an Wasser und Nährstoffen vom Wirtsbaum. Dafür dringen ihre Saugwurzeln tief in das Leitungsgewebe des Astes ein. Dadurch wird der Baum kontinuierlich geschwächt, besonders in Trockenphasen, in denen er ohnehin gestresst ist.

Mit zunehmendem Befall:

  • sterben befallene Äste ab, später ganze Kronenteile bis hin zum ganzen Baum
  • brechen Äste im Winter häufiger, weil die Mistelkugeln zusätzliche Last und Angriffsfläche für Wind und Schnee schaffen
  • breiten sich Misteln schnell weiter aus, wenn sie nicht konsequent entfernt werden – auch auf Nachbargrundstücke
  • entsteht ein dauerhafter Pflegebedarf, da Misteln aus verbleibenden Wurzelstrukturen immer wieder austreiben

Misteln stehen nicht unter Naturschutz und dürfen daher ganzjährig entfernt werden; lediglich das gewerbliche Sammeln ist genehmigungspflichtig.

Was sind Misteln?

Merkmale

Am meisten bekannt zu Weihnachten oder aus dem Zaubertrank rebellischer Gallier bilden, Misteln dichte, kugelige Büsche in einem intensiven hellgrün-gelbgrün. Mit den Jahren können sie bis zu einem Meter Durchmesser erreichen. Mit ihrem immergrünen Laub sind sie besonders im Winter gut zu sehen. Dann tragen sie auch weiße, klebrige Beeren, die typisch für ihre Verbreitung sind.

Lebensform

Die Laubholzmistel (Viscum album) ist ein Halbschmarotzer. Sie betreibt zwar Photosynthese, bezieht aber weiterhin Wasser und Nährstoffe über Saugwurzeln aus ihrem Wirtsbaum.

Misteln sind zweihäusig, d. h. es gibt getrennte männliche und weibliche Pflanzen, und sie können mehrere Jahrzehnte alt werden. Mit 4 Jahren produziert die Mistel erstmals Beeren für die Ausbreitung

Ausbreitung

Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich über Vögel wie Misteldrossel oder Mönchsgrasmücke. Die Beeren sind sehr klebrig; die Samen haften entweder am Schnabel oder werden unverdaut ausgeschieden und gelangen so an neue Äste.

Nach dem Keimen bildet die Mistel eine Haftscheibe, dringt mit einem Keil durch die Rinde und wächst als Haustorium und Senkerwurzel in das Holz des Baumes hinein. Diese Strukturen legen später weitreichende Verzweigungen im Holz an, weshalb ältere Misteln nicht vollständig entfernbar sind.

Zunahme der Bestände

Für die starke Ausbreitung der Mistel gibt es mehrere Faktoren:

  • geringere Pflegedichte in Streuobstbeständen → Misteln erreichen Samenreife
  • wärmeres Klima → bessere Wachstumsbedingungen für Misteln
  • Trockenstress → geschwächte Bäume sind anfälliger
  • Ausbreitung innerhalb der Baumkrone und Bestände wenn sich eine Mistel etabliert hat

Situation im Landkreis Bayreuth

Über die letzten Jahre haben sich Misteln immer mehr in Süd und Mitteldeutschland ausgebreitet. In Unterfranken hat sie sich die letzten 15 Jahre massiv ausgebreitet dort ist der Befall flächig, stark fortgeschritten und teils existenzbedrohend für ganze Streuobstbestände. Dort laufen groß angelegte Bekämpfungsprojekte (z. B. durch den LPV Aschaffenburg und Schlaraffenburger), mit dem Ziel, bis 2028 mehrere tausend Bäume zu entlasten. In Oberfranken breitet sich die Mistel auch seit Jahren aus. In den Landkreisen Bamberg und Coburg gibt es teils massive Befallsherde.

Auch im Landkreis Bayreuth zeigt sich ein zunehmender Mistelbefall, besonders im westlichen Teil in der fränkischen Schweiz. Aber auch rund um Bayreuth sowie in Weidenberg gibt es schon befallene Obstbäume und -bestände. Daher ist schnelles Handeln wichtig, damit die Verbreitung frühzeitig eingedämmt wird.

(Bild: BfN Mistelverbreitung 2013)

Zügiges Handeln ist wichtig

Misteln sind kein kurzfristiges Problem – sie breiten sich über Jahre und Jahrzehnte aus und müssen regelmäßig kontrolliert werden. Besonders die frühen Jahre der Mistelentwicklung sind entscheidend: junge Misteln können noch vollständig entfernt werden.

Was ist zu tun?

  • Misteln regelmäßig entfernen – am besten im Winter oder vor dem Laubaustrieb, wenn sie gut sichtbar sind
  • ganze Bestände pflegen, möglichst über Grundstücksgrenzen hinweg, da Vögel die Samen weitertragen.
  • früh eingreifen: Junge Misteln lassen sich komplett entfernen, ältere nicht mehr.
  • Eigentümer informieren, wenn Bäume stark befallen sind.
  • Fördermöglichkeiten nutzen: Für Obstbaumpflege im Außenbereich gibt es oft Unterstützung über Gemeinden oder Landschaftspflegeverbände.

Wie entfernen?

1. Befallene dünnere Äste entfernen (bis ca. Handgelenksdick)

Diese möglichst bis ins gesunde Holz zurückschneiden – meist 20–50 cm hinter der Befallsstelle, da die Mistelwurzel tief reicht. 

Am besten sollte Abgeleitet werden (Siehe unten)

2. Bei starken Ästen (über 8 cm Durchmesser) Misteln ausbrechen oder abschneiden

– Das Sägen mit der Handsäge wird mühsam? Dann ist der Ast zu dick und sollte nicht komplette zurückgeschnitten werden. 

– Die Mistel sitzt am Stamm?

In diesem Fall wird die Mistel an der Ansatzstelle abgeschnitten oder ausgebrochen. Die Wurzel bleibt im Holz, deshalb wächst die Mistel wieder nach und muss regelmäßig entfernt werden.

3. Junge Misteln sofort entfernen

Keimlinge auf der Rinde können mit Bürste oder Handschuh einfach abgewischt werden.

4. Kontrolle alle 2–3 Jahre

Nur so lässt sich verhindern, dass Misteln erneut fruchten und sich weiter ausbreiten.

weitere Informationen:  aus Unterfranken & Hessen

Quellen:

Mistelflyer von Streuobstwiesenzentrum Hessen, Landschaftspflegeverband Aschaffenburg e.V. und Pomologen-Verein e.V. Landesgruppe Hessen